Heute hat die Erzdiözese Freiburg den Abschlussbericht der AG Aktenanalyse veröffentlicht. Eine unabhängige Expert*innenkommission hat darin am Beispiel von konkreten Missbrauchsfällen untersucht, wie innerkirchliche Strukturen und Entscheidungen dazu beigetragen haben, dass Betroffene über Jahrzehnte nicht ernstgenommen und nicht angemessen unterstützt wurden. Jetzt braucht es echte Veränderungen, fordern auch die Verantwortlichen bei BDKJ und Jugendpastoral.
Klar ist: Dieses Versagen der Institution muss Konsequenzen haben – und zwar sowohl individuell für die handelnden Personen, als auch strukturell für die Kirche insgesamt. Dazu gehört, dass endlich die Stimmen der Betroffenen nicht nur gehört, sondern dass echte Veränderungen umgesetzt werden. Deshalb darf der Abschlussbericht auch kein Abschluss sein, sondern muss zum Wendepunkt kirchlichen Handelns werden. Wir fordern deshalb:
Die Erfahrungen von Betroffenen müssen für uns als Kirche handlungsleitend sein.
Betroffene müssen in allen Belangen, die die Anerkennung und Aufarbeitung ihres Leidens betreffen, bestmöglich unterstützt werden
Menschen, die durch eigene Taten und das Vertuschen von Taten Anderer, dazu beigetragen haben, dass Menschen Leid zugefügt wird oder begangenes Leid nicht gelindert wird, müssen Verantwortung übernehmen und Konsequenzen tragen.
Missbrauchsbegünstigende Faktoren müssen unverzüglich gestoppt und reformiert werden.
Neben diesen unmittelbaren Reaktionen auf den Abschlussbericht, muss die Erzdiözese natürlich auch weiterhin alles tun, um neue Fälle zu verhindern. Mit Schulungen, Verhaltenskodex und einer Kultur der Offenheit und Grenzachtung haben wir da in der Jugendpastoral und den Jugendverbänden in den vergangenen 15 Jahren schon viel im Sinne der Prävention erreicht. Mit den Ansprechpersonen und dem Ferientelefon gibt es für Betroffene und Menschen, die in bestimmten Situationen ein ungutes Gefühl haben, niederschwellige Angebote zur Beratung und Unterstützung. Diese Angebote gilt es stetig zu evaluieren und weiterzuentwickeln.
Transparenz, so ist eine Kernerfahrung unserer Präventionsarbeit, ist der entscheidende Faktor für eine Institution in der nicht vertuscht und verschwiegen wird. Dazu gehört es, gezielt Räume zu öffnen, in denen Menschen über sich und ihre Gefühle in einem geschützten Rahmen reden können und Unterstützung erhalten. Deshalb wollen wir auch nach der Veröffentlichung der Aktenanalyse einen solche Raum öffnen. Am 19. April öffnen wir ab 19 Uhr einen Zoom-Raum für alle, die das Bedürfnis haben, über die Aktenanalyse ins Gespräch zu kommen. Den Zugang zum Zoom-Raum gibt es unter www.kja-freiburg.de/zoom
Weitere Info & Hilfsangebote:
www.ebfr.de/aufklaerung (aktuelle Informationen und Reaktionen zur Aufarbeitung im Erzbistum
Der Erzdiözese Freiburg ist es ein zentrales Anliegen, sexualisierte Gewalt aufzuarbeiten, weitere Übergriffe zu verhindern und in diesem Zusammenhang Hilfe zu leisten.