Historische und bauliche Infos
Unter den deutschen Marienwallfahrtsorten trägt die Wallfahrtskirchein Zell-Unterharmerbach allein die Bezeichnung "Maria zu den Ketten". Diese Beifügung klingt seltsam. Eine alte Legende liegt ihr zugrunde: Ein Frommer Schmiedegeselle aus Schuttern, der in Zell sein Handwerk ausübte und ein fleißiger Besucher der Marienkapelle war, geriet zur Zeit der Kreuzzüge (1064 - 1270) in die Gefangenschaft der Türken. Gefesselt wurde er nach Jerusalem gebracht und sollte dort als Sklave verkauft werden. In seiner Verzweiflung flehte er zur Gottessmutter, die er im alten Gnadenort verehrt hatte, und versprach, seine Ketten am Gnadenbild aufzuhängen, sollte er je wieder in die Heimat zurückkehren können. Der fromme Schmied wurde frei und kehrte unversehrt heim. Die Legende erzählt, dass die Ketten von seinen Händen und Füßen fielen und ein weißes Pferd zum Ritt in die Heimat bereitstand. Seit jenen Tagen hängen Ketten in der Kirche und es hieß: "Wir gehen zu Maria von den Ketten".
Doch noch ein weiteres Ereignis um diese Ketten lässt aufhorchen: Im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648), als die Schweden nach Zell kamen, gab ein schwedischer Oberst dem Zeller Schmied Grabler den Befehl, die Ketten in Hufeisen für seine Pferde umzuschmieden. Nach dem Ratsprotokoll der Stadt Zell wollten die Schweden dem "Wallfahrtspuk" ein Ende bereiten. Der Plan gelang nicht: Die Ketten entschwanden während des Schmiedens und fanden sich an ihrem angestammten Platz in der Kirche wieder ein. Im Jahr 1643 zerstörten die Schweden die Stadtkirche und auch die Kirche in Gengenbach, die Wallfahrtskirche indessen verschonten sie. In dem großen Deckengemälde der Kirche sind beide Begebenheiten mit den Ketten dargestellt.
Die bauliche Entwickung der Wallfahrtskirche:
Bei oder unmittelbar über dem ersten Marienbild soll um 850 die erste Kapelle, wahrscheinlich aus Holz, errichtet worden sein. 1010 - 1016 soll nach einer alten Chronik der Bischof Werner von Straßburg eine zweite Kirche mit gemauertem Turm und für das Schiff zwei Seitenaltäre gebaut haben. Der älteste Teil der heutigen Kirche, der Chor mit Netzgewölbe und gotischen Fenstern, stammt aus dem Jahre 1480.
Da sich immer mehr Pilger einfanden, musste die Kirche mehrmals vergrößert werden. 1646 wurde der alte Flügelaltar restauriert. 1654 wurde die Kirche weitgehend erneuert, da sie im Dreißigjährigen Krieg große Schäden erlitten hatte. Dabei wurden die Fenster um 2 Drittel gehoben. Am 2. Juli 1659 wurden der damalige Hochaltar konsekriert. 1671 wurde ein Kapellenhaus nordöstlich vom Chor und 1683 ein Brunnenhäuslein über dem Gnadenbrunnen hinzugefügt. Gleichzeitig wurde der Turm erhöht und erhielt einen Helm-Aufsatz. 1686 wurde ein Josefsaltar in der Kirche erstellt. Die Josefsstatue steht heute auf dem Josefsaltar in linken Querschiff. 1690 - 97 wurde die Kirche im Langschiff verlängert bis zum späteren Querschiff.
1715 wurden der jetzige Hochaltar und die binden Seitenaltäre errichtet. 1739 wurde hinter dem Hochaltar eine Sakristei gebaut, darüber liegend die Mesnerwohnung, Auffallend ist, dass sich das Querschiff nicht vorne befindet, sondern hinten. Der Grund für diese bauliche Eigenart: die Kirche musste "im Dorf" verbleiben. Die 1742/44 erfolgte Verlängerung um den Querbau hätte sonst in das Gebiet der Stadt hineingereicht. Erst bei der letzten Erweiterung 1911 um 2 Joche mit der Empore überschritt man die Stadtgrenze und baute auch auf Zeller Boden. Dabei wurde das alte Portal mit der Nische an der neuen Westseite erbaut. Der alte Teil ist erkenntlich am roten, der neue am gelben Sandstein. Nachdem 1923 die Kapuziner die Kirche vertraglich übernahmen, haben sie in den Jahren 1932 - 35, 1961/62 und 1970/71 größere Renovationen durchgeführt. Als am 19. März 1984 die Decke über dem linken Seitenaltar herunterbrach, stellte sich heraus, dass Dach und Bodengebälk sehr stark durch Holzwurm und Schwammbefall geschädigt waren, ebenso die Altäre, Figuren, Orgelgehäuse und Bänke. So wurde die Kirche vom September 1985 bis Sommer 1987 innen und außen vollständig renoviert.









